Thunderbolt

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    • Thunderbolt

      Review: Saxon - Thunderbolt:

      Es gibt in der traditionellen Metal-Szene wohl kaum eine andere Band, die sich solch großer Konstanz und gleichbleibender Qualität rühmen kann wie die nach Iron Maiden größte NWoBHM-Kapelle Saxon. Denn während die Jungfrauen sich schon seit geraumer Zeit in weitestgehend langweilige Prog-Gefilde verabschiedet haben, bleibt die Truppe um Fronter Biff Byford eisern ihrem Stil treu und veröffentlicht alle paar Jahre hochklassigen Heavy Metal garniert mit einer erdigen Rock And Roll-Attitüde. Auf dem letzten Output "Battering Ram" schlug man im Zweifel wieder etwas härtere Töne an und schaffte es damit, im Spätherbst seiner Karriere noch einmal ein echtes Ausrufezeichen zu setzen. Und auch die Vorzeichen für Studioalbum Nummer 22 (!) "Thunderbolt" waren mit den beiden Vorab-Veröffentlichungen alles andere als negativ und so konnte man gespannt sein, wie sich das Album in seiner Gesamtheit machen würde.

      1. Olympus Rising:
      Wie zuletzt die 2013er Scheibe "Sacrifice" eröffnet auch "Thunderbolt" mit einem ganz netten, aber doch eher unspektakulären Intro, das erneut die thematische Ausrichtung des Silberlings unterstützt. Entsprechend gibt es also statt Urwaldtrommeln diesmal recht episch anmutende Töne auf die Ohren, wobei die anfänglichen Gitarrenklänge allerdings ironischerweise fast ein Wenig an die Motorrad-Sounds, die man in den Achtzigern von Mötley Crüe oder Manowar kannte, erinnern. Dennoch nicht schlecht gemacht, aber als Intro natürlich verzichtbar.
      5/10 Punkte

      2. Thunderbolt:
      Gänzlich anderes lässt sich da schon über den ersten richtigen Track und Titelsong des Albums sagen! Sicher, die Nummer fällt im direkten Vergleich zu den Opener der letzten Alben jetzt nicht durch um sich greifende Härte auf, doch ist das Ganze einfach zu hundert Prozent typisch Saxon und geht mit einem schönen Riff sehr geil nach vorne. An einigen Stellen wäre man versucht, Parallelen zum Band-Klassiker "Wheels Of Steel" zu ziehen. Ein erstes Highlight des Albums!
      8/10 Pkt.

      3. The Secret Of Flight:
      Mit dem nächsten Track kommt dann aber die erste echte Überraschung des Albums. "The Secret Of Flight" ist nochmal einen guten Tacken melodiöser als der Titeltrack, insbesondere Biffs Vocals seien hier erwähnt. Aber auch die musikalische Untermalung ist anders, als man es von den Sachsen erwartet hätte und weist teilweise eine fast schon proggige Schlagseite auf. Interessant, zu sehen, wie Saxon auch nach vierzig Jahren Metal-Karriere ihren Horizont noch erweitern, doch werde ich mit der Nummer leider nicht zu hundert Prozent warm, dafür ist einfach der Härtegrad doch ein Wenig zu gering.
      5/10 Pkt.

      4. Nosferatu (The Vampires Waltz):
      Und auch die folgende Nummer bringt im Vergleich leider nur wenig Besserung. Der Song ist als einziger der Platte mit Keyboards unterlegt und kommt dadurch extrem episch, weckt mitunter Assoziationen an diverse Symphonic-Kapellen. Das mag zum Thema der Nummer ganz gut passen, ändert aber wenig daran, dass man rein musikalisch deutlich besseres von Saxon gewohnt ist als solch einen Track, auf dem man selbst ein echtes Riff vergebens sucht. Leider nur Mittelmaß.
      5,5/10 Pkt.

      5. They Played Rock And Roll:
      Die zweite Nummer des Albums, die schon vorab zu hören gewesen war. Nach Metallica huldigen jetzt also auch Saxon ihren ehemaligen Kollegen von Motörhead, was ja durch den Tod von Fast Eddie Clarke nochmal neue Aktualität erhalten hat. Im Vergleich zur größten Metal-Band der Welt machen Biff und seine Jungs allerdings mit ihrer Nummer die bessere Figur. Ein flotter Track, der tatsächlich stilistisch auch ein Wenig in Richtung Lemmys und seiner Band geht und sogar die ikonische Zeile "We are Motörhead and we play rock and roll" stilsicher zu verbauen weiß. Top!
      8/10 Pkt.

      6. Predator:
      Man höre und staune! Es geschehen noch Zeichen und Wunder und so überraschen Saxon den Hörer auf Track Nummer sechs mit gegrowlten Vocals. Die kommen natürlich nicht von Biff selbst, sondern von Wikinger-Spezl Johan Hegg, der auf dieser Nummer sein Stelldichein gibt. Im Gegensatz zu den vorigen Experimenten des Albums geht dieses hier aber entgegen jeder Erwartung tatsächlich auf. Die Stimmen der beiden Sänger harmonieren erstaunlich gut und geben dem Song so das gewisse Etwas. Starke Nummer!
      8/10 Pkt.

      7. Sons Of Odin:
      Ungewöhnlich ruhig wird es dann allerdings mit der folgenden Nummer. Das hier hat zum Glück nichts mit der gleichnamigen Manowar-Blamage zu tun, härtetechnisch lassen allerdings auch Saxon hier so einige Wünsche unerfüllt. Die Nummer geht stilistisch ein Wenig in Richtung von Alben wie "Crusader" oder "Rock The Nations". Für deren Fans mag der Song denn auch eine echte Perle des Albums sein, allerdings bin ich schon mit den beiden genannten Referenzwerken nie wirklich warm geworden und so bleibt dann auch dieser Track eher unspektakulär, auch wenn man durchaus einige schöne Melodien einbaut.
      6/10 Pkt.

      8. Sniper:
      Zurück in die Spur findet man allerdings schon mit der nächsten Nummer wieder. Fast wie als bewusster Kontrast zum letzten Track findet man hier die vielleicht härteste Nummer des Longplayers. Sehr cooles Riffing, flott, ein geiler Refrain - kurzum, gefundenes Futter für die Headbang-Fraktion unter den Saxon-Fans und ein Song, auf den man sich auf der kommenden Tour mit Diamond Head, Magnum und Rock Goddess definitiv freuen darf!
      8/10 Pkt.

      9. A Wizard's Tale:
      Eine Nummer, die durchaus typisch Saxon ist, allerdings im Vergleich zu den wirklichen Highlights des Albums etwas abfällt. Thematisch geht es hier um die Artus-Welt, musikalisch liefert man dazu ein ganz nettes Riff, wobei die Gitarrenarbeit von Doug Scarrat und Paul Quinn auf dem ganzen Album natürlich wie immer technisch fein gemacht und sehr melodisch ist. Dennoch bleibt die Nummer wohl eher ein Lückenfüller, auch wenn es kaum echte Kritikpunkte auszumachen gibt.
      6/10 Pkt.

      10. Speed Merchants:
      Rennfahrerei war ja schon immer eines der Lieblingsthemen von Mr. Byford und auch auf "Thunderbolt" widmet sich wieder ein Song diesem Thema. Allgemein wissen diese Nummern immer recht gut zu gefallen, da man hier für gewöhnlich das Tempo etwas anzieht und auch "Speed Merchants" bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Ein cooler Track, der schnell ins Ohr geht und durch eine hübsche Solo-Sektion auch den Vergleich mit "Warriors Of The Road" von der "Sacrifice"-Scheibe für sich entscheiden kann.
      7/10 Pkt.

      11. Roadie's Song:
      Den Abschluss der Vinyl (auf der CD gibt's noch eine Raw-Version von "Nosferatu (The Vampire's Waltz)" obendrauf) liefern Saxon einen Song, der den Roadies der Band gewidmet ist. Thematisch einmal mehr eine nette Idee, musikalisch allerdings kein echtes Highlight. Sicher, man kann sich das durchaus anhören, ohne, dass es irgendwie stören würde, hängen bleiben tut die Nummer allerdings auch nicht. Positiv wäre lediglich zu erwähnen, dass man auf überkandideltes Akustik-Gedudel wie am Ende des letzten Albums verzichtet hat.
      5/10 Pkt.

      Fazit:
      Was bleibt unter dem Strich vom neuesten Saxon-Baby? Die Engländer sind ihrem Stil treu geblieben, wagen aber auch das eine oder andere Experiment, insbesondere auf der ersten Hälfte des Albums. Diese gehen leider nur zum Teil auf, während sich gegen Ende des Albums dann auch einige Lückenfüller finden. Somit liefert man zwar alles andere als ein enttäuschendes Album ab, im Vergleich mit den anderen Alben, die die Sachsen in den letzten zehn Jahren veröffentlicht haben, fällt man allerdings dennoch etwas ab. Trotzdem gibt es auch auf "Thunderbolt" wieder genug echtes Saxon-Futter, um die Fans zufrieden zu stellen und zu bestätigen, dass die Herren auch im gehobenen Alter den Großteil der (gleichaltrigen und jüngeren) Konkurrenz locker in die Tasche stecken. Jetzt bleibt dann insbesondere abzuwarten, ob die Kollegen von Judas Priest mit ihrem neuen Album hieran anknüpfen können.
      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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