Revelations Of Oblivion

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    • Revelations Of Oblivion

      Review: Possessed - Revelations Of Oblivion:

      "Possessed veröffentlichen ein neues Album? Nun, wird man wohl auch mal reviewen müssen - und hoffen, dass einem hier keine komplette Grütze serviert wird" - so oder so ähnlich waren die Gedanken des Autors dieser Zeilen, als er zum ersten Mal von "Reverlations Of Oblivion" Notiz nahm. Es macht erstaunlich wenig Spaß, die eigenen Idole zu verreißen, aber was sollte man von diesem Album schon groß erwarten? Eine Band, die ein legendäres Debüt-Album mit einem schwachen Nachfolger ausstattete und sich dann auflöste, um sich Jahre später zu reformieren und ewige Zeiten mehr oder weniger ziellos vor sich hin zu existieren, ehe man überhaupt mal wieder etwas Zählbares auf die Menschheit losließ - davon, dass von der Urbesetzung nur noch Sänger und ehemals Bassist Jeff Beccerra dabei ist, mal ganz zu schweigen. Und so waren die Erwartungen also eher niedrige, als Album Nummer drei der Erfinder des Death Metal erstmals seine Reise in den Player antrat.

      1. Chant Of Oblivion:
      Und tatsächlich hat man zu Beginn nicht unbedingt das Gefühl, hier einem besonders gelungenen Comeback beizuwohnen. Ein knapp zweiminütiges Intro mit Glockenschlägen eröffnet die Scheibe auf genau die Art und Weise, wie es derzeit bei circa neunzig Prozent der extremen Metal-Bands der Fall ist. An sich ist das jetzt natürlich nicht schlecht gemacht, aber mal im Ernst: Im Sinne einer Band mit dermaßen viel Geschichte wie Possessed hätte man auf diesen Zug nun nicht zwingend aufspringen müssen. Hätte man sich gut sparen können.
      5/10 Punkte

      2. No More Room In Hell:
      Der eigentliche Opener des Albums wiederum war ja schon als Vorab-Veröffentlichung dem geneigten Hörer bekannt gewesen. Und saß man beim ersten Hördurchgang eventuell nur mäßig begeistert vor dem Player, so erschließt sich die Nummer nach und nach immer mehr und mausert sich zu einem wirklich respektablen Beginn. Die musikalische Leistung der "neuen" Mitstreiter von Jeff lässt sich mehr als ordentlich an, insbesondere das Drumming von Emilio Marquez sticht immer wieder positiv hervor. Guter Track!
      7/10 Pkt.

      3. Dominion:
      Auch auf "Dominion" geht es wie bereits auf dem eröffnenden Song mit voller Kraft nach vorne, doch kann das Niveau der ersten Nummer hier nicht erreicht werden. Das liegt unter Anderem am Gesang von Jeff Beccerra, der versucht, seiner Vocal-Performance eine ungeahnte melodische Komponente hinzuzufügen - scheint mit Blick auf "Berserker" wohl momentan in Morde zu sein, auch wenn sich Jeff dann hier doch deutlich besser schlägt als Johan Hegg. Dennoch wirkt das Ganze ein Wenig verkrampft und ist der ansonsten soliden Nummer nicht zuträglich.
      5/10 Pkt.

      4. Damned:
      Deutlich stärker kommt da schon die folgende Nummer daher, die wieder astreinen Mittachtziger-Death Metal bietet, wie man ihn von Possessed kennt und liebt. Das ganze Album profitiert neben dem coolen Cover von Ghost-Haus- und Hofzeichner Zbigniew Bielak, das allein schon den einen oder anderen Fan zum Impulskauf animieren dürfte, auch davon, dass es Peter Tägtgren entgegen aller Erwartung tatsächlich geschafft hat, der Scheibe einen amtlichen Sound zu zimmern, der weder zu offensichtlich oldschool, noch übermäßig modern klingt und die Power der Songs voll zur Geltung kommen lässt.
      7/10 Pkt.

      5. Demon:
      Demgegenüber fällt die nächste Nummer leider wiederum etwas ab. Neben der erneut eher gewöhnungsbedürftigen gesanglichen Darbietung Jeffs mag das auch daran liegen, dass der Song das wohl vertrackteste Stück Musik der gesamten Scheibe darstellte. Dabei sind die einzelnen Parts durchaus eingängig, doch in ihrer Abfolge hat man doch Mal um Mal wieder das Gefühl, dass hier in Sachen Komplexität vielleicht ein Wenig zu viel gewollt wurde. Erinnert stellenweise an die ebenfalls nur mäßig begeisternden Werke, die die Original-Besetzung nach "Seven Churches" herausgebracht hat.
      5/10 Pkt.

      6. Abandoned:
      Die Nummer war die allererste Nummer, die man von dem Album zu hören bekam, wurde doch eine Demo-Version noch im letzten Kalenderjahr veröffentlicht und wusste damals schon genauso zu gefallen wie das endgültige Produkt nun. Positiv sollte hier angemerkt werden, wie gut Meister Beccerra nach wie vor klingt, wenn er sich an seinem altbekannten Gekeife versucht. In Anbetracht der Tatsache, dass der Mann mittlerweile im Rollstuhl sitzt und seine Gesangs-Technik komplett umstellen musste, ist das, was er hier bis auf wenige Ausnahmen immer noch abruft, wirklich aller Ehren wert.
      7/10 Pkt.

      7. Shadowcult:
      Auch "Shadowcult" war ja bereits vor dem Album veröffentlicht worden und stellt sicherlich eine der stärksten Stellen des Longplayers dar. Einerseits hat man hier ein beinahe Hymnen-artiges Element, andererseits scheinen auf keinem anderen Song der CD die Thrash-Wurzeln, denen Possessed entstammen, so klar durch wie hier; Bands wie Overkill oder Sodom - letztere haben ja selbst durchaus schon mit Death Metal geflirtet - grüßen deutlich. Dennoch wirkt die Nummer keineswegs gespalten oder inhomogen, hier greift alles genau so ineinander, wie es soll. Stark!
      7/10 Pkt.

      8. Omen:
      Das im Anschluss folgende "Omen" kann jedoch als längster Song der Scheibe wiederum nur begrenzt überzeugen. Das extrem auf Atmosphäre ausgelegte Intro lässt zu Beginn schon das Schlimmste befürchten. Zum Glück steigert sich die Nummer dann doch relativ schnell, aber an die Energie-Limits geht man hier zu keinem Zeitpunkt, sondern versucht sich an einem eher bedrohlichen Lied, das man am ehesten als Verschnaufpause nach den vorangegangenen beiden Songs im Schleuder-Waschgang werten kann.
      5/10 Pkt.

      9. Ritual:
      Ein Wenig schwer muss einem die Bewertung des nächsten Songs, "Ritual", fallen. Betreffs der Härte gibt es hier sicherlich nichts auszusetzen, zählen die Riffs des Songs doch mit zum brutalsten, was man in einer knappen Stunde auf "Revelations Of Oblivion" zu hören bekommt, doch trotzdem will die Nummer irgendwie nicht komplett zünden, sei es nun, weil die vereinzelten Synthesizer-Einsätze nicht wirklich stimmig wirken, sei es, weil hier einfach besonders offenbar wird, dass es der Band auf ihrem neuen Machwerk zwar nicht an Härte mangelt, wohl aber an der jugendlichen Spontanität und Wildheit, die ihr Debüt - neben vielen anderen Faktoren - zu dem Klassiker machten, der es heute ist. Unter dem Strich muss man leider konstatieren, dass "Ritual" eher nur Mittelmaß darstellt.
      5/10 Pkt.

      10. The Word:
      Die wohl am stärksten modern angehauchte Nummer des Albums. Melodische Elemente finden sich hier reichlich, stellenweise fühlt man sich glatt an Death Metal der schwedischen Schule erinnert. Einem Song von Possessed mit dem typischen Riffing und Gesang dieser Band steht das alles nicht unbedingt gut an, dennoch muss man festhalten, dass man hier die wohl beste Gitarren-Arbeit der CD findet. Allgemein machen die Axemen einen durchwegs sauberen Job, doch die Instrumental-Sektionen dieser Nummer sind tatsächlich mehr als nur erwähnenswert.
      5,5/10 Pkt.

      11. Graven:
      Nachgerade eine Art Gegenentwurf zu diesem Track stellt dagegen "Graven" dar. Der letzte echte Song des Albums wirft nochmal alles nach vorne, hier wird mit der ganz groben Klinge gemetzelt, dass es eine wahre Freude ist. Genau so möchte man Possessed hören und trotz der zu diesem Zeitpunkt für ein Death Metal-Album bereits ungewöhnlich langen Laufzeit des Silberlings kann der Song noch einmal wirklich punkten!
      7/10 Pkt.

      12. Temple Of Samael:
      Das Album endet genau so, wie es begonnen hatte, nämlich mit sehr ruhigen, atmosphärischen Klängen. Auch das mag ja mittlerweile mehr oder minder zum guten Ton gehören, doch hätte es Possessed erneut nicht geschadet, sich hier (positiv) abzuheben. Da aber abgesehen von diesen kleineren Fehltritten die Neuverortung der Band zwischen Vergangenheit und Moderne über weite Strecken doch gut gelungen ist, soll das hier auch keinen allzu schweren Kritikpunkt darstellen.
      5/10 Pkt.

      Fazit:
      Was bleibt einem nun zu sagen am Ende von "Revelations Of Oblivion"? Letzten Endes konnten Possessed mit diesem Album nie gewinnen. Ein Klassiker der Marke "Seven Churches" musste zwangsläufig unerreicht bleiben, zumal mit beinahe komplett neuem Personal. Genau ein solches Über-Werk erwartet die Hörerschaft aber naturgemäß, wenn sich eine derart legendäre Band nach zweiunddreißig Jahren wieder zurückmeldet. Letztlich konnte die Zielsetzung für Album Nummer drei der Amis nur sein, sich nicht zu blamieren und die Scharte "Beyond The Gates" wieder auszuwetzen, mit der man sich vormals so unrühmlich von der großen Bühne verabschiedet hatte. Das gelingt der Band hier geflissentlich mit einem erstaunlich vielseitigen Album, das dennoch keine echten Ausrutscher bietet, auch wenn auf der anderen Seite auch keine neuen Klassiker à la "The Exorcist" enthalten sind. In jedem Fall hat die Band sich mit diesem Longplayer wieder auf der Metal-Landkarte platziert und hat die gute Möglichkeit, auf folgenden Scheiben unter nicht mehr ganz so hohem Erwartungsdruck auf die positiven Aspekte von "Revelations Of Oblivion" aufzubauen und die Schwächen auszumerzen.
      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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