Traditional Thursday #30: Chastain - I Fear No Evil

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    • Traditional Thursday #30: Chastain - I Fear No Evil

      Dreißig Wochen lang gibt es jetzt schon unsere Aktion des Songs der Woche, aber wenn ich mich nicht täusche, hat in all dieser Zeit noch nie eine female-fronted Band am Traditional Thursday die Chance der Vorstellung erhalten. Das geht so natürlich nicht und daher wollen wir uns heute mit Chastain einer solchen Gruppe widmen. Chastain konnten schon zu Zeiten ihres Debüt-Albums "Mystery Of Illusion" 1985 als Anachronismus gelten - tatsächlich zu diesem Zeitpunkt vielleicht sogar mehr als zu irgendeinem anderen in ihrer Karriere. Mitte der Achtziger war der Metal-Sektor gerade dabei, sich auszudifferenzieren; wo noch wenige Jahre zuvor Heavy Metal als Generalbegriff für jegliche Form von Musik härter als Motörhead stand, schredderten sich jetzt Speed Metaller in abenteuerlichem Tempo durch ihre Tracks, wurden jedoch darin bald von den Thrashern abgelöst, die wie eine Welle über das ganze Genre hereinbrachen. Daneben formierte sich der Black Metal und beschwor Unheil und Düsternis jenseits aller bekannten Maße herauf. Auf der anderen Seite begannen Glam Metaller, sich immer mehr dem Mainstream anzunähern und geradezu poppige Elemente in ihre Musik zu integrieren. Wer in diesem Klima traditionell bleiben wollte, der blickte in Richtung Riot und brachte schnellen, amerikanischen Power Metal auf die Bühnen der Welt. Ursprünglicher Heavy Metal dagegen war in diesen Tagen nicht eben in aller Munde und selbst die größten Vertreter dieses Genres wandten sich davon ab und bemühten reihenweise (und weitestgehend erfolglos) ebenfalls Ausflüge in Mainstream-tauglichere Gefilde.

      Doch traditioneller Heavy Metal war genau das, was die Newcomer von Chastain auf der Agenda stehen hatten. Ihr Erfolgsrezept dabei bestand vor allem aus der sehr wandlungsfähigen Stimme von Frontfrau Leather Leone sowie der Gitarren-Arbeit von David T. Chastain, der mit seinen Leads und vor allem den zahlreichen und ausgezeichnet intonierten Soli immer wieder die Songs des Albums krönte. Sicher, selbst zu diesem Zeitpunkt war der Band eine gewisse Affinität zum Power Metal bereits anzumerken, doch ist "Mystery Of Illusion" als Gesamtes betrachtet ein sehr heterogenes Album; einzelne Tracks wildern in Speed Metal-Gefilden, doch auch ansonsten ist über stampfende Headbanger bis hin zu epischen Hymnen alles vertreten und vereinzelt sind sogar ganz frühe Sludge-Anleihen auf einzelnen Nummern auszumachen.

      Ihr Debüt-Album brachte Chastain viel Lob und einige Aufmerksamkeit ein, doch wollte die Band in der sich immer weiter beschleunigenden Szene relevant bleiben, musste man seinen Stil anpassen, was dann auch relativ schnell geschah. Schon das ein Jahr später veröffentlichte Zweitlingswerk "Ruler Of The Wasteland" war eindeutig dem Power Metal zuzuordnen, für den man die Gruppe auch heute kennt. Mit diesem Stilwechsel war wohl Drummer Fred Coury nicht d'accord, sodass er sich in Richtung Cinderella verabschiedete und für den Nachfolger durch Ken Mary (ex-Accept, -Alice Cooper und -Bonfire, aktuell Flotsam And Jetsam) ersetzt wurde. So blieb "Mystery Of Illusion" ein Einzelfall als buntes Potpourri an Songs einer noch in der Selbstfindung begriffenen Band, wobei ein Highlight des Albums sicherlich das hier behandelte "I Fear No Evil" darstellte. Der Song verfügt sowohl über tolle Melodien und einen großen Refrain (schon damals eine der beständigen Stärken der Band), als auch über den nötigen Biss und die Härte, um effektiv alle positiven Eigenschaften der Band in dieser Zeit zu vereinen und sich seine Nominierung als Song des Tages redlich zu verdienen!

      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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