Wings Of Rage

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    • Wings Of Rage

      Review: Rage - Wings Of Rage:

      Der Jahresanfang ist traditionell eine Zeit, in der man im Metal-Sektor mit Alben-Veröffentlichungen nur so zugeworfen wird. Der erste Monat des neuen Jahres gilt - warum auch immer - offenbar als besonders attraktiver Zeitpunkt, um neue Longplayer en masse auf die Menschheit loszulassen, und regt dementsprechend natürlich auch den geneigten Hobby-Autor an, sich doch mal wieder an einen Review zu setzen. Im Falle des Verfassers dieser Zeilen waren es Rage, deren neue Veröffentlichung "Wings Of Rage" dann doch so wichtig erschien, dass sie trotz akuten Zeitmangels ob universitärer Verpflichtungen nicht einfach übergangen werden konnte. Immerhin hat Deutschlands wohl produktivste Metal-Gruppe überhaupt ihr künstlerisches Tief mit dem Rauswurf Victor Smolskis erfolgreich überwunden und liefert seither wieder Alben, die irgendwo zwischen "ziemlich gut" und "richtig geil!" rangieren. Gerade wenn dem Album dann noch durch das Tragen des Band-Namens im Titel ganz besondere Bedeutung zugesprochen wird, ist man als Hörer natürlich gleich doppelt gespannt, wie sich der Silberling dann im Player schlagen wird!

      1. True:
      Die CD in den Player geworfen und ab geht die Luzi! "True" war ja, wie auch die nächsten beiden Songs, schon vorab von der Band ausgekoppelt worden und machte schon da trotz eines merkwürdig antiklimatischen Musikvideos mächtig Laune. Hier zeigen sich Rage von ihrer härteren Seite; von allen Songs des Albums weist dieser hier am stärksten in die "The Missing Link"-Phase - und da dieses Album bis heute meine Lieblings-Scheibe der Truppe aus Herne ist und die vorliegende Nummer dort sicher nicht zum schwächeren Material gehört hätte, steht die Wertung fest. Das Review-Jahr 2020 startet schon mal gut!
      10/10 Punkte

      2. Let Them Rest In Peace:
      Aber haltet euch fest - die Party ist noch lange nicht vorbei! Als zweites nämlich folgt die erste Single-Auskopplung von "Wings Of Rage" und ballert mindestens genauso geil wie Track Nummer eins. Im Vergleich zu "True" geht man hier vom Songwriting her ein wenig filigraner zur Sache, was vielleicht dazu beitragen könnte, dass die Nummer sich auch längerfristig im Live-Fundus der Band festsetzen könnte. Abstriche in Sachen Härte gehen damit aber genauso wenig einher wie solche in Sachen Qualität. Genau so muss eine Rage-Scheibe klingen - bis zu diesem Zeitpunkt kann man das Album fast nur als perfekt bezeichnen.
      10/10 Pkt.

      3. Chasing The Twilight Zone:
      Von vorneherein war jedoch klar, dass die Formkurve mit Song Nummer drei dann ein Wenig fallen würde, immerhin wird ja mit "Chasing The Twilight Zone" das Trio der Vorab-Singles von "Wings Of Rage" vervollständigt. Von der bloßen handwerklichen Qualität des Songwritings her ist diese Nummer hier zweifellos mit dem vorigen Track zu vergleichen und ich glaube sogar, dass beide Nummern gleichermaßen das Potential haben, zu Dauerbrennern der Band zu werden, doch überwiegt hier für meinen Geschmack zu sehr das hymnische Element. Dieses war zwar bei den letzten beiden Tracks in den Refrains auch vorhanden, erfuhr jedoch in den Strophen noch eine stärkere Einschränkung, während es hier dann doch ein wenig überhand nimmt. In meinen Augen nur Mittelmaß, trotz der Wahl der Nummer zum Song des Tages durch meinen anwesenden Admin-Kollegen.
      5/10 Pkt.

      4. Tomorrow:
      Und mit dem Begriff "Hymne" ist dann auch schon der entscheidende Begriff für die Beschreibung von "Tomorrow" gelegt. In den Redaktionen von RockHard und MetalHammer ist man sich einig, dass bei dieser Nummer frühe Blind Guardian verwertet werden. Das ist nun an sich keine schlechte Referenz und tatsächlich macht der mächtige Refrain ordentlich was her. Der Knackpunkt sind hier wie so oft auf diesem Album die Strophen. Auf den ersten zwei Songs balancierten diese den Bombast der Refrains gekonnt aus, bei der letzten Nummer addierten sie dagegen nochmal dazu, sodass alles too much wurde, bei "Tomorrow" dagegen sind sie einfach komplett unspektakulär. Schaden dem Song jetzt nicht aktiv, bleiben aber auch keineswegs im Gedächtnis, sodass die Nummer dann vor allem bei wiederholtem Hören doch ein wenig eintönig wird. Trotzdem nicht schlecht, aber auch kein Highlight.
      6/10 Pkt.

      5. Wings Of Rage:
      Wiederum anders stellt sich die Situation beim Titelsong des Albums dar. Dieser ist von seiner Grundkonzeption wahrscheinlich noch mächtiger und hymnenhafter als die bisherigen Tracks und ist nun wirklich zu hundert Prozent fest im Power Metal verwurzelt. Gleichzeitig kommt aber doch immer wieder auch die härtere Gangart durch, die Peavy Wagner und Co. eben auch können und die den Song dann eben doch von der stilistisch ansonsten vergleichbaren Konkurrenz im Power Metal-Sektor abhebt. Hier erbringen Rage eindrucksvoll den Beweis, dass auch klassischer Power Metal selbst für den ansonsten eher härter orientierten Metaller nicht zwangsläufig zum Kitsch-Fiasko werden muss - stark!
      8/10 Pkt.

      6. Shadow Over Deadland (The Twilight Transition):
      Über die folgende Nummer lässt sich recht wenig sagen. Im Prinzip handelt es sich hier nur um ein kurzes Interludium, das als Intro zum folgenden Track fungiert und auch in Anbetracht seiner kurzen Spielzeit eigentlich keine eigene Wertung wert wäre. Stört jetzt den Fluss des Albums zwar nicht, aber ob man so etwas tatsächlich als eigenen Song auskoppeln muss, sei mal dahingestellt.
      5/10 Pkt.

      7. A Nameless Grave:
      Die stimmungsvolle Einleitung jedoch entpuppt sich im Nachhinein als vergebens, denn es folgt mit "A Nameless Grave" einer der Tiefpunkte des Albums. Die Nummer stellt eine Ballade dar, was jetzt an sich nicht schlimm wäre, doch mit deutlicher orchestraler Untermalung und bemüht progressiven Arrangements, die Erinnerungen an "XIII" oder, fast noch mehr, die Zeiten von Lingua Mortis denken lassen, hat man es hier doch mit schwer verdaulicher Kost zu tun. Rage bemühen sich hier um eine Hommage an eine Fan-Gruppe, die man mit den letzten Alben eigentlich endlich erfolgreich vergrault hatte. Hätte man sich besser gespart, die Nummer.
      4/10 Pkt.

      8. Don't Let Me Down:
      Doch schon der nächste Track macht wieder richtig Laune! Rage zeigen sich hier mal wieder von ihrer wütenden Seite, die ihnen im Zweifel meist besser zu Gesicht steht. Marcos Rodriguez liefert an der Gitarre trotz der etwas zu modernen Produktion einige schöne Passagen ab und Peavy klingt am Gesang, allen technischen Unzulänglichkeiten zum Trotz, auf dem gesamten Album so angepisst und böse wie schon lange nicht mehr. Rein musikalisch eine überdurchschnittliche Leistung des Trios!
      7,5/10 Pkt.

      9. Shine A Light:
      Der nächste Tiefschlag allerdings folgt leider auf dem Fuße. "Shine A Light" ist zum Glück nicht ganz so orchestral überflutet wie "A Nameless Grave", geht stilistisch aber in eine ganz ähnliche Richtung und liefert zudem noch die volle Ladung Balladen-Kitsch frei Haus. Ja, Songs, zu denen man die Feuerzeuge herausholen kann, sind live für manche sicherlich eine feine Sache, aber dann doch bitte eher bei Bon Jovi oder Aerosmith als gerade ausgerechnet bei Rage. Ein weiterer heißer Kandidat für die Skip-Taste.
      4/10 Pkt.

      10. HTTS 2.0:
      Nanu, das klingt doch verdächtig vertraut? Richtig gehört, hier handelt es sich um eine Neuaufnahme von "Higher Than The Sky"! Die Band tat ganz gut daran, diesen Fakt hinter einem kryptischen Kürzel als Songtitel zu verstecken, denn hätte ich vorher gewusst, dass es sich hier um ein Re-Recording der vollkommen überbewerteten Nummer von der "End Of All Days"-Scheibe handelt, wäre ich der ganzen Sache sicher nicht so unvoreingenommen entgegengetreten. Tatsächlich aber muss man sagen, dass sich die Chose erstaunlich gut anlässt, vor allem, da man den Song einem Facelifting unterzogen und ihm dabei noch eine gehörige Portion mehr Pfeffer mitgegeben hat. Respekt Herr Wagner - wer hätte gedacht, dass man aus der Nummer noch so viel herausholen kann?
      7,5/10 Pkt.

      11. Blame It On The Truth:
      "Blame It On The Truth" ist dann jedoch wieder ein tatsächlich neuer Song, der mir im Zweifel dann auch noch einen Tacken besser gefällt als die vorige Nummer (auch wenn ich mich zusammen mit Greta T. natürlich freue, dass der Trend zum Recycling nun auch schon auf Metal-Bands und ihre alten Songs ausgreift :D ). Wiederum fällt auch bei dieser Nummer das sehr ausgefeilte Songwriting ins Auge, das die Nummer zu einem weiteren Highlight macht.
      8/10 Pkt.

      12. For Those Who Wish To Die:
      Mit "For Those Who Wish To Die" erklingt dann auch schon der letzte Song, ehe sich der Longplayer nach der doch recht amtlichen Spielzeit von knapp einer Stunde abschaltet. Und gewissermaßen schließt sich mit dieser Nummer dann auch der Kreis zum Beginn der CD, setzt die Band doch auf genau den Mix aus einem getragenen Refrain kontrastiert und ruppigen Riffs, der auch den Anfang des Albums geprägt hat. An das Niveau des Eröffnungs-Duos kommt man hier zwar eindeutig nicht heran, doch ist auch der aktuelle Song eine durchaus hochwertige Nummer und ein gelungener Abschluss des Albums.
      7/10 Pkt.

      Fazit:
      Schon allein mit dem Beginn von "Wings Of Rage" haben Rage sicherlich bei jedem Fan einen absoluten Stein im Brett und legen den Grundstein für ein wahrhaft großartiges Album. Diesen Erwartungen wird die Scheibe im weiteren Verlauf dann nur zum Teil gerecht und droht besonders in der hinteren Mitte doch beinahe vom Kurs abzukommen, allgemein überwiegen die positiven Aspekte jedoch deutlich, womit man sich im Vergleich zu den beiden letzten Alben wohl in einer Mittel-Position einordnet. "The Devil Strikes Again" klang noch eine Spur wütender und vor allem konstanter, während das neue Werk jedoch den direkten Vorgänger "Seasons Of The Black", der besonders gegen Ende selbst teilweise etwas ziellos wirkte, wohl in die Tasche steckt. Hätte man sich auf nur zehn Songs beschränkt, könnte die neue Scheibe wohl sogar dem 2016er Werk gefährlich werden, kann doch "Wings Of Rage" stellenweise durchaus zu einem finsteren Monstrum von einem Album werden, doch auch so haben Peavy und seine Kollegen zum Jahresbeginn direkt eine Marke gesetzt, die erst einmal geschlagen werden muss, und ein Album veröffentlicht, dessen erste beiden Songs nun wirklich jeder, der ein Herz für Power, Speed oder Thrash Metal hat, gehört haben muss.
      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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