Ambush - Infidel

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    • Ambush - Infidel

      Review: Ambush - Infidel:

      Die fünf Herren der Band Ambush galten um die Mitte des abgelaufenen Jahrzehnts als das neue große Ding in Sachen schwedischem Heavy Metal. Mit dem Debütwerk "Firestorm" konnte man 2014 im traditionellen Heavy Metal-Sektor als kompletter Newcomer abräumen und zog die geballte internationale Aufmerksamkeit der Szene auf sich. Nur ein Jahr später erschien dann das zweite Album "Desecrator", das ebenfalls stark war, aber aufgrund einiger Ausflüge in eher rockige Gefilde nicht ganz die Klasse des Vorgängers erreichte. Ja, und dann wurde es still um den Fünfer aus Växjö. Zwar man live sehr fleißig unterwegs, ein weiteres Studio-Album sollte jedoch für weitere fünf Jahre nicht erscheinen - für eine junge Band, die sich eigentlich fest etablieren möchte, fast eine Ewigkeit. Jetzt aber liegt das neue Werk, das auf den Titel "Infidel" hört, endlich vor und man fragt sich: Rückkehr zur alten Form oder Fortführung des mit "Desecrator" begonnenen Weges? Sehen wir uns die Songs im einzelnen an:

      1. Infidel:
      Starten hätte das Album jedenfalls schon mal schlechter können. Der Titel-Song ist eine flotte, sehr eingängige Nummer mit guter Härte und einem extrem eingängigen Refrain, den der Hörer mit Sicherheit so schnell nicht mehr aus den Gehörgängen bekommen wird. Die Gitarren schneiden amtlich und Oskar Jakobsson beweist, dass er am Gesang sicherlich zu den besten Vertretern in der jungen schwedischen Heavy Metal-Szene gehört. Stilistisch bewegt sich die Nummer irgendwo zwischen Judas Priest und Skull Fist (passenderweise, werden doch Ambush mit letzteren demnächst auf Europa-Tournee gehen) und liefert damit genau das Futter, das man von Ambush hören will. Stark!
      7/10 Punkte

      2. Yperite:
      Deutlich mäßiger kommt die zweite Nummer, "Yperite", daher. Den Vergleich zu Judas Priest könnte man zwar nach wie vor ziehen, allerdings eher in Bezug auf die eher rockigen Werke der Priester in den Siebzigern; ansonsten bieten sich auch die Frühwerke von Iron Maiden oder Accept als Referenzpunkt an, manche mögen sich auch an Bullet erinnert fühlen. Das sind natürlich weiß Gott alles keine schlechten Bands, doch wirkt die ganze Chose hier dann doch ein wenig sehr zahm. Die Gang-Vocals wirken irgendwie deplatziert und der ganze Song bringt irgendwie nicht die nötige Power auf, um wirklich zu begeistern. Die absolute Grenze des Erträglichen ist aber erreicht, wenn zuletzt auch noch statt eines Gitarrensolos ein solches von einer Mundharmonika (oder einem Synthesizer; das ist so genau kaum zu bestimmen) ertönt - absolut unnötig. Oskar allein zieht den Karren zumindest noch halbwegs aus dem Dreck, daher...
      5/10 Pkt.

      3. Leave Them To Die:
      Doch diese Scharte wird schnell wieder ausgewetzt, denn "Leave Them To Die" ist wieder eine Nummer, wie man sie sich von Ambush nur wünschen kann. NWoBHM meets Speed Metal meets Judas Priest, die ja schon immer den wichtigsten Einfluss auf die jungen Schweden dargestellt haben. Wütend, aber auch mit einigen sehr schönen Übergängen zwischen den einzelnen Song-Parts geht es hier ordentlich zur Sache, wobei einmal mehr die Vocals die ganze Nummer krönen und den bisher wohl stärksten Song des Albums schaffen.
      8/10 Pkt.

      4. Hellbiter:
      "Hellbiter" wiederum war ja schon vor einiger Zeit als Single inklusive Video ausgekoppelt worden, konnte aber schon damals nur in überschaubarem Maße überzeugen. Scheinbar versinken Ambush anno 2020 immer, wenn sie ins Midtempo wechseln, so ein Wenig im Mittelmaß. Sicher, im Grundsatz ist auch diese Nummer wieder sehr traditionell ausgelegt, folgt den großen Vorbildern wie Accept und soll vermutlich einen Live-Mitgröhl-Hit darstellen. Massiv störend fällt dabei jedoch die sehr Mainstream-lastige Melodieführung des Songs ins Gewicht, die ein Wenig an Mötley Crüe erinnert und leider zu Ambush so überhaupt nicht passen will. Der Nummer fehlt es deutlich an Dampf und Power, schneidende Riffs sucht man hier vergeblich. In einer Kritik des Albums fühlte sich der Rezensent auch an die Amerikaner von Fifth Angel erinnert, was ich ebenfalls als sehr passenden Vergleich empfinde, leider aber nicht gerade ein Adelsschlag für die Schweden ist. Oskar holt am Gesang einmal mehr einen Extra-Punkt heraus.
      5/10 Pkt.

      5. The Summoning:
      Es folgt ein kleines musikalisches Interludium, das am Ende dieser recht wechselhaften ersten Alben-Hälfte einmal kurz Luft zum durchschnaufen bietet. Eigentlich nicht der Rede wert, profitiert die Nummer aber von der ausgesprochen guten Produktion von "Infidel", die besonders den Gitarren sehr entgegen kommt und somit auch Adam Hagelin, der als Gründungsmitglied die Band nach diesem Album verlassen wird und hier seinen Ausstand feiert, noch einmal in bestem Licht präsentiert.
      6/10 Pkt.

      6. The Demon Within:
      Die B-Seite startet wie das gesamte Album wieder mit einem flotten Track, wobei "The Demon Within" mit seinem schreddernden Rhythmus wohl tatsächlich die Nummer darstellt, bei der Ambush am stärksten aufs Gaspedal drücken. Man könnte stellenweise geradezu an Anvil in ihrer besten Phase denken, auch US-Power Metal (oder Helloween, bevor sie ausgewhimpt sind) schießt ins Gedächtnis. Alles in allem also eine klassische Ambush-Nummer, der durch die voll klingenden Vocals im Refrain noch echtes Ohrwurm-Potential verliehen wird.
      7/10 Pkt.

      7. A Silent Killer:
      Auch "A Silent Killer" bewegt sich tendenziell im oberen Tempo-Segment, kann aber das Niveau des Vorgängers leider kaum halten. Stilistisch gibt es eigentlich nichts zu bemängeln, die deutsche Schule der Achtziger um Accept verbindet sich hier einmal mehr organisch mit NWoBHM-Melodien à la Iron Maiden, doch leider bleiben diese Melodien kaum im Gedächtnis haften, sodass man nach dem vorigen Song doch einen gewissen Abfall in der Qualität des Materials erkennt. Sowas kommt vor und die Nummer ist sicher auch kein Ausfall, hätte aber nicht zwingend auf das Album gemusst.
      5/10 Pkt.

      8. Iron Helm Of War:
      Ein echtes Highlight tritt dem Hörer dagegen wieder mit "Iron Helm Of War" entgegen. Hier betreiben Ambush wieder wie so oft einen Mix aus der europäischen und der amerikanischen Heavy Metal-Tradition, Accept und Maiden kriegen also stilistischen Besuch von Manowar und Riot. Heraus kommt eine sehr epische, aber dennoch harte Nummer, die definitiv im oberen Qualitätssegment mitmischen kann und wohl jeden Fan traditionellen Achtziger-Metals komplett zufrieden stellen wird. Genau so will man es von einer Band wie Ambush hören!
      8/10 Pkt.

      9. Heart Of Stone:
      Erneut ins mittlere Temposegment begibt man sich dagegen mit "Heart Of Stone", das jedoch wie schon einige Songs zuvor das Problem hat, dass Ambush hier nicht nur auf cooles Riffing à la Accept setzen, sondern immer auch ein Auge auf den Mainstream-lastigen Weichspül-Hard Rock werfen, der in den Staaten in den Achtzigern en vogue war und ja schon damals so manche Metal-Band auf gruselige Abwege geführt hat ("Turbo" und "Eat The Heat" lassen grüßen). Ganz so schlimm erwischt es Ambush zwar nicht, trotzdem haben diese Versuche schon auf der "Desecrator"-Scheibe nicht funktioniert und umso weniger tun sie es auf diesem Album, wo man derlei stilistische Ausflüge in noch größerer Zahl antrifft.
      5/10 Pkt.

      10. Lust For Blood:
      Mit "Lust For Blood" endet die Scheibe mit einer Nummer, die im Klang deutlich harmloser anmutet, als man nach dem blutrünstigen Titel vielleicht vermuten könnte. Ambush bleiben sich auf diesem Song selbst treu, mischen einmal mehr europäische und amerikanische Elemente und bauen einige nette Melodiebögen ein, andererseits fehlt es der Nummer dann doch an irgendeiner Art von Alleinstellungsmerkmal, um wirklich überzeugen zu können. Netter Track, aber mehr auch nicht.
      5/10 Pkt.

      Fazit:
      Einige tolle Nummern bietet sie wieder, die neueste Ambush-Scheibe, doch unter dem Strich muss man leider trotz des einmal mehr geilen Artworks vom bisher schwächsten Album der Schweden sprechen, denn musikalisch offenbaren die Jungs zum ersten mal in ihrer Karriere doch deutlich merkbare Schwächen. Zwar hat man mit Oskar Jakobsson einen außergewöhnlich talentierten Sänger in seinen Reihen, doch verlässt man sich in Teilen des Albums einfach zu sehr darauf, dass dieser die Sache schon schaukeln wird und räumt den Gitarren viel zu wenig Platz für geile Riffs oder schnelle Lead-Attacken ein - was sehr schade ist, denn durch den traditionsbewussten, aber doch klaren Sound hätte man das perfekte Fundament genau hierfür gehabt. So kann man das Album zwar unter dem Strich noch unter "gelungen" verbuchen, eine Verpflichtung zum Anhören besteht hier jedoch für absolut niemanden; dafür ist das Genre, in dem sich Ambush bewegen, einfach mit zu viel Konkurrenz überlaufen - und zwar teilweise mit qualitativ besserer.
      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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