Paranormal

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    • Review: Alice Cooper - Paranormal:

      Alice Cooper-Alben stellen so mit das Undankbarste dar, was man sich für einen Review aussuchen kann, denn Vincent Damon Furnier, wie der Herr ursprünglich heißt, balanciert seit mittlerweile fünf Dekaden konstant auf der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. Dass der Herr sich mittlerweile in seinem Alterswerk befindet, sollte aber allgemein als Konsens durchgehen und ist wohl auch die Erklärung für die ungewöhnlich lange Wartezeit - sechs Jahre -, die seit dem Vorgänger "Welcome 2 My Nightmare" ins Land gezogen ist; nur zwischen "The Last Temptation" und "Brutal Planet" dauerte es schon mal genauso lange. In den Zweitausendern produzierte der Mann dann eine Reihe eher halbgarer und radiokompatibler Outputs, ehe besagtes "Welcome 2 My Nightmare" wieder die Trendwende zu der völlig verrückten Horrorshow vollzog, für die der Coop bekannt ist, dabei aber teilweise eine Spur too much war (man denke an das - unfreiwillig - gruselige "What Baby Wants"). Für "Paranormal", das als Doppelalbum konzipiert ist, hat sich der Shock Rock-Opa jetzt mit Larry Mullen Jr. sowie noch einigen anderen bekannten Mitmusikern zusammengetan, was natürlich die Frage nach dem Ergebnis dieser Kollaborationen noch interessanter macht.

      CD 1:

      1. Paranormal:
      Eingeläutet wird das Album durch den ja auch schon vorab veröffentlichten Titeltrack. Eine, wie ich sagen muss, ungewöhnliche Wahl, ist die Nummer doch nicht unbedingt eingängig und braucht den einen oder anderen Durchgang, um wirklich zur Geltung zu kommen. Wenn man dem Track allerdings etwas Zeit gibt, entfaltet die sehr intelligente Aneinanderreihung von ruhigeren und etwas kraftvolleren Passagen ihre Wirkung und der Track entwickelt sich tatsächlich zu einem Highlight der Scheibe.
      8/10 Punkte

      2. Dead Flies:
      Track Nummer zwei ist dann schon wesentlich straighter als der Opener. Leider wirkt das ganze trotz eines recht coolen Grooves allerdings ein wenig wie Alice Cooper aus dem Setzkasten; die Nummer ist so typisch für den Coop, dass man die ganze Zeit das Gefühl hat, dass man das auf Alben wie "Killer" oder "Billion Dollar Babies" schon in ähnlicher Form, aber mit wesentlich höherem Hit-Faktor gehört hat. Als Pluspunkt wäre die, wie beim Meister Cooper üblich, nette textliche Umsetzung mit über das ganze Album verteilten Anspielungen auf das eigene Frühwerk zu verzeichnen.
      5/10 Pkt.

      3. Fireball:
      Deutlich besser weiß dann wieder der folgende Track zu gefallen. Der Song fällt mit einem etwas an Deep Purple erinnernden Keyboard auf - ob da wohl Bob Ezrin die Finger im Spiel hatte? Der Produzent war ja zuletzt auch für die Briten auf ihrem "Infinite"-Album für die Produktion zuständig und der Sound der beiden Scheiben ähnelt sich tatsächlich auch extrem. Während das allerdings bei Ian Gillan und Co. noch durchaus gut gepasst hat, hätte Alice Cooper ein etwas dreckigerer Sound vielleicht doch gut getan und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier in der Produktion etwas zu sehr auf Nummer sicher gegangen wurde. Allerdings ist das natürlich ein Problem des Albums an sich und wertet den Song nicht im Speziellen ab, denn der ist eine verdammt starke Rock-Nummer.
      8/10 Pkt.

      4. Paranoiac Personality:
      Auch der Song war ja inklusive zugehörigem Video schon vorher zu hören gewesen. Als Vorab-Nummer hat das Teil einige Male ziemlich Laune gemacht, allerdings nutzt sich der Track verdammt schnell ab; auch hier fehlen irgendwie die echten Alleinstellungsmerkmale und so ist das ganze zwar durchaus nicht schlecht und handwerklich ordentlich gemacht, jedoch jetzt auch kein Song, der dazu anhält, ihn immer wieder zu hören.
      5/10 Pkt.

      5. Fallen In Love:
      Hier gibt jetzt Billy Gibbons von ZZ Top an der Gitarre sein Stelldichein, seine Auffälligkeiten auf der Nummer sind allerdings in etwa so überschaubar wie die von Deep Purples Roger Glover auf dem Titeltrack - kurzum: Würde es nicht dabeistehen, würde es keinem auffallen. Ein starker Track ist die Nummer, die passenderweise auch stilistisch im Stile der Sharp Dressed Men gehalten ist und mit einem coolen Blues-Riff überzeugt, aber in jedem Fall trotzdem.
      8/10 Pkt.

      6. Dynamite Road:
      Dem Titel nach hätte man hier jetzt einen Song der härteren Gangart erwarten können, doch weit gefehlt: Die Nummer ist zwar recht flott - Geschwindigkeitslimits gibt's auf der Dynamite Road wohl nicht? -, ansonsten aber ziemlich soft gehalten. Allgemein kommt der Track nicht schlecht als entspannter Rocker und auch zum Autofahren sollte die Nummer eine gute Wahl sein, letztlich kann der Song aber mit viel vom restlichen Material des Albums nicht konkurrieren und bleibt eher blass.
      5/10 Pkt.

      7. Private Public Breakdown:
      Ein Track, der wiederum eher im Midtempo angesiedelt ist. Das ist der moderne Alice Cooper, wie man ihn auf Alben wie "Dirty Diamonds" oder "Along Came A Spider" zu hören bekam - beides Alben, die wohl zu den schwächsten des Mannes gehören und obwohl "Privat Public Breakdown" auf beiden der genannten Scheiben ein absolutes Highlight gewesen wäre und zum Hören zwischendurch allemal Laune macht, vermisst man hier letztlich das Genie des Coops, der auf diesem Track eigentlich nicht viel mehr darstellt als einen typischen Mainstream Rock-Sänger ohne irgendwelche Ambitionen, etwas mehr zu sein.
      6/10 Pkt.

      8. Holy Water:
      Genau das kann man "Holy Water" mit Sicherheit nicht vorwerfen. Die Nummer überrascht mit Bläser-Einsätzen und einer sehr ungewöhnlichen Percussion und erinnert mich persönlich stark an "Generation Landslide" vom "Billion Dollar Babies"-Album. Leider ist auch diese Nummer für mich der schwächste Track des Albums - wenn man auf einem solchen Meisterwerk von schwachen Songs sprechen möchte - und so ist auch diese Nummer hier zwar kein Ausfall, aber auch nicht unbedingt mein Fall.
      5/10 Pkt.

      9. Rats:
      Ganz anders sieht es da allerdings beim folgenden Song aus. "Rats" weist eine auffällige Punk-Schlagseite auf, die sehr zu gefallen weiß und von der ich nicht unbedingt erwartet hätte, dass man sie vom Alice auf seine alten Tage nochmal in dieser Form hören würde - was durchaus nicht negativ ist, denn eine musikalische Wundertüte war der Herr schon immer, was von Fans allenthalben durchaus geschätzt wird. Eine weitere richtig starke Nummer!
      8/10 Pkt.

      10. The Sound Of A:
      Die abschließende Nummer des Albums - oder besser gesagt der ersten CD, die das Standard-Material des Albums enthält - ist dann nochmal etwas ganz außergewöhnliches. Ein extrem ambitionierter Track, bei dem sich der Coop an Klangwelten versucht, die man von ihm allenfalls auf "DaDa" schon zu hören bekam - da allerdings in deutlich schwächerer Qualität. Sehr hypnotisch lullt die Nummer den geneigten Hörer regelrecht ein und bildet einen ausgesprochen guten Abschluss für CD Nummer 1!
      7/10 Pkt.

      CD 2 & FAZIT:
      Hier werde ich nicht auf die einzelnen Tracks eingehen, sondern einfach ein allgemeines Urteil fällen. Die zweite CD beginnt mit zwei Songs - "Genuine American Girl" und "You And All Of Your Friends" -, auf denen der Mister Cooper noch einmal mit den Mitgliedern seiner 1975 aufgelösten Band - mit Ausnahme des 1997 verstorbenen Glen Buxton - zusammenarbeitete, ehe Live-Aufnahmen von sechs der größten Hits des Herrn folgen. Soweit mag der Content des zweiten Alben-Teils ja ganz nett sein, doch muss man einfach konstatieren, dass die Aufmachung des ganzen als Doppelalbum dadurch nicht gerechtfertigt wird. Wirklich interessant sind an der zweiten Hälfte letztlich eigentlich nur die beiden neuen Nummern, die tatsächlich auch verdammt stark sind und sicherlich beide echte Perlen des Albums darstellen, allerdings wären die auch auf dem regulären Album - das ohnehin in seiner Form mit zehn Songs ausgesprochen kurz geraten ist - leicht unterzubringen gewesen. Das Fehlen der Live-Aufnahmen hätte wohl niemanden außer Die-Hard-Fans gestört und für diese hätte man das ganze auch als Bonus-CD einer Special Edition veröffentlichen können, wo zudem dann auch der ganze Gig statt nur sechs Songs Platz gefunden hätte. Warum man das Teil stattdessen als Doppelalbum mit reichlich Füllmaterial, das für den normalsterblichen Hörer einfach irrelevant und nichts halbes und nichts ganzes ist, veröffentlicht, weiß der Cooper wohl nicht mal selbst.

      Doch all das ficht natürlich die musikalische Leistung des Materials nicht an und da zeigt die Formkurve weiterhin klar nach oben! Einen Klassiker wie "School's Out" kann "Paranormal" zwar nicht erreichen - das kann man von Alice Cooper wohl auch in seiner Karriere nicht mehr erwarten -, doch findet sich hier neben einigen Fillern auch eine ganze Reihe richtig starker Nummern, auf denen sich der Coop immer noch in Bestform präsentiert und - im Gegensatz zu fast allen der letzten Alben des Herrn - kein einziger echter Ausfall, sodass man hier wohl tatsächlich von seinem stärksten Album seit "Dragontown" sprechen kann!
      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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